57 PS vom 20.05.2012

"Woher Wohin? --- Nirgendhin!"



Am 28.9.2007 hatte die neue Produktion des Wandertheaters Ton und Kirschen" Premiere. Das neue Stück "Hamlet" - eine Adaption von Shakespeares Hamlet - handelt von der Innensicht der Außensicht und von "verrückten" Wahrnehmungen. Hamlet muss vorgeben "verrückt" zu sein, um die Wahrheit zu erkennen und sein Leben zu retten.

Der neue Aufführungsort, die alte Saftfabrik im Lendl-Haus, ist mit seinen dunklen, maroden Gewölben die zu Stein geronnene Metapher für diese Suche nach den verborgenen Triebkräften.

Der Ankunft einer Wanderschauspieltruppe am Hofe des Königs von Dänemark vesetzt das Wandertheater Ton und Kirschen in sein Element: Der Hof auf der Bühne und das Publikum im Saal der alten Lendelschen Saftfabrik werden verzaubert und spüren, der Wahrheit deutlich näher zu sein als offizielle Verlautbarungen weiß machen können, so dass Claudius die Aufführung abbrechen lässt, bevor sie ihn zu entlarven droht.

Eine der stärksten Szenen der Produktion ist die Beerdigung Ophelias, in der David Johnston neben Demonstrationen seines komödiantischen Talents Einblicke in seine Sanges-Qualitäten gewährt. Einen besonders glücklichen Griff tat das Ensemble unter der künstlerischen Leitung und Regie von David Johnston, Margarete Biereye bei der Auswahl der musikalischen Begleitung von Mohamed Askari.

Besonders tragisch: Vertreter der Stadt Werder glänzten bei der Premiere durch Abwesenheit. Liegt es an der Theatertruppe? Liegt es am Stoff? Ist es die als selbstverständlich empfundene Stadtväter-Entfernung zur Kultur?

Die alte Saftfabrik als neue Spielstätte des Ensembles ist jedenfalls von der Schließung bedroht, bevor sie überhaupt richtig eröffnet wurde. Es ist eben etwas faul sowohl im Staate Dänemark als auch in der Stadt Werder, die für die Förderung eines miefigen Schützenvereins Hilfen in Millionenhöhe gewährt, jedoch für Kultur jenseits von Baumblütchentapete und Stechschritt kein Gespür besitzt.

"Schützenverein" oder "Ton und Kirschen" - das ist die Frage,

sollte es eigentlich heißen!
... und die Antwort auf die eingangs gestellte Frage "Woher Wohin?" wird wohl künftig tatsächlich lauten: "Nirgendhin!"
Bevor es zu spät ist: Geht hin! Bis zum 3.10. ist bereits alles ausverkauft, für die Aufführungen vom 4.-7-10.2007 gibt es noch wenige Karten.



29.09.2007



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