"Woher Wohin? --- Nirgendhin!"

Am 28.9.2007 hatte die neue Produktion des Wandertheaters
Ton und Kirschen" Premiere.
Das neue Stück
"Hamlet" -
eine Adaption von Shakespeares Hamlet - handelt von der Innensicht der Außensicht
und von "verrückten" Wahrnehmungen. Hamlet muss vorgeben "verrückt"
zu sein, um die Wahrheit zu erkennen und sein Leben zu retten.
Der neue Aufführungsort, die alte Saftfabrik im Lendl-Haus, ist mit seinen dunklen,
maroden Gewölben die zu Stein geronnene Metapher für diese Suche nach den verborgenen
Triebkräften.
Der Ankunft einer
Wanderschauspieltruppe am Hofe des Königs von Dänemark vesetzt das Wandertheater
Ton und Kirschen in sein Element: Der Hof auf der Bühne und das
Publikum im Saal der alten Lendelschen Saftfabrik werden verzaubert
und spüren, der Wahrheit deutlich näher zu sein als offizielle
Verlautbarungen weiß machen können, so dass
Claudius die Aufführung
abbrechen lässt, bevor sie ihn zu entlarven droht.
Eine der stärksten Szenen
der Produktion ist die Beerdigung Ophelias, in der David Johnston neben Demonstrationen seines komödiantischen
Talents Einblicke in seine Sanges-Qualitäten gewährt. Einen besonders
glücklichen Griff tat das Ensemble unter der künstlerischen Leitung und Regie von
David Johnston, Margarete Biereye
bei der Auswahl der musikalischen Begleitung von Mohamed Askari.
Besonders tragisch: Vertreter der Stadt Werder glänzten bei der Premiere durch
Abwesenheit. Liegt es an der Theatertruppe? Liegt es am Stoff? Ist es
die als
selbstverständlich empfundene Stadtväter-Entfernung zur Kultur?
Die alte Saftfabrik als neue Spielstätte des Ensembles ist jedenfalls von
der Schließung bedroht, bevor sie überhaupt richtig eröffnet wurde.
Es ist eben etwas faul sowohl im Staate Dänemark als auch in der Stadt Werder, die für
die Förderung eines miefigen Schützenvereins Hilfen in Millionenhöhe
gewährt, jedoch für Kultur jenseits von Baumblütchentapete und Stechschritt
kein Gespür besitzt.
"Schützenverein" oder "Ton und Kirschen" - das ist die
Frage,
sollte es eigentlich heißen!
... und die Antwort auf die
eingangs gestellte Frage "Woher Wohin?" wird wohl künftig tatsächlich lauten:
"Nirgendhin!"
Bevor es zu spät ist: Geht hin! Bis zum 3.10. ist bereits alles
ausverkauft, für die Aufführungen vom 4.-7-10.2007 gibt es noch wenige Karten.

29.09.2007
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